Spiel ohne Grenzen

k-IMG_9497„Spiel ohne Grenzen“ ist der Titel eines über mehrere Monate angelegten Musikvermittlungs-Projekts mit Musikern der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern und Jugendlichen des Vereins „2.Chance Saarland e. V.“ unter der künstlerischen Leitung des „Liquid Penguin Ensembles“.

Als Projekt im Rahmen der Veranstaltungsreihe „strukturwandel – neues hören und sehen“ von Netzwerk Musik Saar wird „Spiel ohne Grenzen“ durch das bundesweite Netzwerk Neue Musik gefördert, das die Kulturstiftung des Bundes zur Förderung Neuer Musik initiiert hat. Außerdem wird es von der Liz-Mohn-Stiftung unterstützt.

Hochkultur trifft Straßenkultur: „Spiel ohne Grenzen“ erzählt von einer intensiven künstlerischen wie menschlichen Annäherung. Auf der einen Seite die Orchestermusiker, hochqualifizierte Klassikprofis mit jahrelanger Ausbildung und Erfahrung. Auf der anderen die Jugendlichen aus sozial benachteiligten Milieus, viele von ihnen mit Drogen-, Alkohol- und Knast-Erfahrung. Im Verein „2.Chance Saarland e. V.“, der sich um die Verbesserung der Ausbildungsfähigkeit junger Menschen mit besonderen Integrationshemmnissen bemüht, werden sie künstlerisch gefordert und gefördert. Die einen bringen als Spielgeräte ihre Bratsche, Flöte oder Posaune mit, die anderen ihre Stimme, ihre Texte, ihren Tanz.

Geprobt wird in kleineren oder größeren Gruppen, im Jugendzentrum in der Saarbrücker FörsSpiel_ohne_Grenzen_Plakatterstraße oder im Funkhaus auf dem Halberg. Zum Aufwärmen wurden Beats und Rhythmen improvisiert, Text- und Tanzideen ausprobiert – dann konnte das Spiel ohne Grenzen beginnen! Das musikalische Material der Orchestermusiker umfasst Werke von J. S. Bach über Béla Bartók bis Luciano Berio und Arvo Pärt; die Rapper reagieren darauf, verändern ihren gewohnten Sprechfluss und fügen eigens hierfür verfasste Texte mit viel Fingerspitzengefühl in die musikalischen Strukturen dieser fremden, klassischen Musik ein. Andere kontrastieren die Melodien mit ihrem eigenen Beat und setzen ihre Welt und ihre musikalische Sozialisation hart dagegen. Tänzer lassen sich von der abstrakten Rhythmik Neuer Musik bewegen. Und umgekehrt bewegen sie die notenverwöhnten Musiker der Philharmonie, die sich auf’s Improvisieren einlassen:
Elementare Eigenschaften von Rap, Hip Hop, Breakdance oder Krump (ein expressiver, schneller Freestyle-Tanz) werden übersetzt in Musik für Orchesterinstrumente. Ungewohnter Klang. Stilbruch. Neuinterpretation.

Dieses „Spiel ohne Grenzen“ erfordert von beiden Mannschaften, ein paar Federn zu lassen, altgewohnte Spielregeln der jeweils eigenen Musikrichtung aufzugeben, damit etwas Drittes entsteht. Das verändert die Spieler. Es verändert das Hören, es verändert die Wahrnehmung.
Stefan Scheib (Kontrabass, Komposition) und Katharina Bihler (Performance, Gesang, Vokalartistik) vom „Liquid Penguin Ensemble“ moderieren diesen künstlerischen Prozess. Sie leisten Übersetzungs- und Vermittlungsarbeit, schaffen Kompositionen und musikalische Arrangements auf der Grundlage der eingebrachten Ideen und entwerfen Spielregeln für die Improvisation. Seit 1997 arbeiten die beiden zusammen, als Vertreter einer jungen Performer-Generation, die Neue Musik, Neues Hörspiel und Neue Medien miteinander verschwistert. Mitte Januar wurde ihr Hörspiel „Bout du monde – Ende der Welt“, das im November 2008 als „strukturwandel“-Projekt uraufgeführt worden war, von der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste zum „Hörspiel des Jahres“ gekürt.

Idee: Saeid M. Teimouri, Projektleiter des Vereins „2.Chance Saarland e. V.“
Künstlerische Leitung: Liquid Penguin Ensemble
Arrangements/Komposition: Stefan Scheib (zum Teil mit Rappern des Vereins
„2.Chance Saarland e. V.“); außerdem Werke von J. S. Bach, Béla Bartók, Luciano
Berio, Arvo Pärt, Isang Yun sowie ein türkisches Traditional
Choreografische Leitung: Saeid M. Teimouri

Mitwirkende

Jugendliche des Vereins „2.Chance Saarland e. V.“:
Jonathan Altendorf (Gesang, Piano), Rossana Andreacchio (Tanz), Antonius Boßmannn
(Rap), Nico Burgard (Tanz), Mefail Cukic (Rap), Daniele De Rosa (Rap, Tanz), Roland
Eickhoff (Beatboxing), Stefan Hauck (Text), Ria Issa (Gesang), David Kassung (Rap),
Richmond Köhler (Rap), Moses Mwanselwa (Tanz), Mario Ngouen (Tanz, Choreografie),
Dunja Oberhauser (Gesang), Emrah Ördek (Rap), Denis Osmoni (Tanz), Senad Osmoni
(Tanz), Helena Rudolph (Gesang), Elmërand Sefa (Tanz), Daria Truong (Tanz), David
Windmüller (Beatboxing), Verena Otten (O-Ton-Hörstücke)

Mitglieder der Deutschen Radio Philharmonie:
Ulrike Hein (Violine), Thomas Hemkemeier (Violine), Irmelin Thomsen (Viola), Elisabeth
Woll (Cello), Stefan Panzer (Cello), Joachim Schröder (Trompete), Uwe Zaiser (Trompete),
Jochen Scheerer (Posaune), Martina Reitmann (Horn), David Polkinhorn (Tuba), Ayla
Caymaz (Flöte), Vilmantas Kaliunas (Oboe), Stephan Böhnlein (Percussion)